Ein Großteil Ihrer Firmendaten liegt bei US-Anbietern, und eine einzige rechtliche Verschiebung kann das zum Problem machen. Es gibt ausgereifte europäische Alternativen - ein Überblick.
Der wunde Punkt ist unsichtbar, solange alles läuft. E-Mails, Dokumente, Kundendaten, Backups: Vieles davon liegt bei US-Hyperscalern. Praktisch, günstig, eingespielt. Und über Jahre hat kaum jemand einen Grund gesehen, daran etwas zu ändern.
Dieser Grund entsteht gerade, durch eine rechtlich-politische Verschiebung in den USA, die die Grundlage berührt, auf der europäische Firmendaten überhaupt bei US-Diensten liegen dürfen. Was da passiert ist und welche europäischen Werkzeuge es als Ersatz gibt, dazu der Reihe nach.
Der Datenverkehr zwischen EU und USA steht auf einer rechtlichen Konstruktion, dem EU-US Data Privacy Framework (DPF). Es soll sicherstellen, dass europäische Daten in den USA vergleichbar geschützt sind. Ein zentraler Pfeiler dieser Konstruktion ist die Unabhängigkeit einer US-Aufsichtsbehörde, der FTC.
Das betrifft übrigens auch EU-gehostete Dienste US-amerikanischer Anbieter, sie können ebenfalls unter US-Zugriffsrechte fallen. Und die beiden Vorläufer des DPF sind bereits vor dem EuGH gescheitert. Vieles spricht dafür, dass es wieder so kommt.
Niemand muss über Nacht die gesamte IT umziehen. Vier Dinge lassen sich aber schon heute angehen, ohne den Betrieb zu stören.
Verschaffen Sie sich zeitnah einen Überblick: Welche Daten liegen bei welchem Anbieter, in welcher Jurisdiktion? Ohne diese Karte lässt sich kein Risiko einschätzen.
Wo US-Dienste unvermeidbar sind, gehört Verschlüsselung zur Grundausstattung, idealerweise so, dass nur Sie den Schlüssel halten, nicht der Anbieter.
Für die wichtigsten Datentöpfe lohnt eine konkrete Prüfung: Welche souveräne Alternative in EU-/CH-Jurisdiktion käme infrage, und was würde ein Umzug bedeuten?
Die regulatorische Lage wird schwankender. Wer Abhängigkeiten früh reduziert, muss später nicht unter Zeitdruck migrieren.
Für die meisten alltäglichen Bedürfnisse gibt es inzwischen eine ausgereifte europäische oder schweizerische Alternative. Hier sortiert nach dem, was Sie brauchen.
Der Filesharing-Dienst von Infomaniak (CH). Große Dateien teilen, ohne dass sie durch US-Infrastruktur laufen.
Scaleway (FR), IONOS (DE) und Infomaniak (CH) bieten Public Cloud in europäischer Jurisdiktion, Infomaniak zusätzlich die kSuite für Mail, Office und Kollaboration.
Ausgereifte, quelloffene Office-Suite. Läuft lokal, ohne Zwang zur Cloud und ohne Lizenzgebühr pro Kopf.
Mail, Drive und Kalender aus der Schweiz, Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Eine souveräne Basis für Kommunikation und Ablage.
Dieselbe Open-Source-Technologie, die etwa hinter der kSuite steckt, lässt sich auch selbst einsetzen, auf Ihrer Infrastruktur, zugeschnitten auf Ihre Prozesse.
Sprachmodelle im eigenen Haus betreiben, sodass sensible Inhalte den Betrieb nicht verlassen. Was dabei realistisch ist, zeigt unser Schwester-Artikel. Lokale LLMs im Unternehmen
Souveränität ist ein Spektrum, kein Alles-oder-Nichts.
Niemand verlangt, jeden US-Dienst über Nacht zu verbannen. Pragmatisch heißt: Abhängigkeiten dort reduzieren, wo Risiko und Nutzen am größten sind, und geschäftskritische Daten in eine berechenbare Jurisdiktion holen.
Sie müssen nicht alles migrieren. Sie sollten nur wissen, welche Ihrer Daten wirklich schützenswert sind, und für die eine souveräne Heimat haben.
Die Werkzeuge stehen bereit. Der schwierige Teil ist der Weg dorthin: entscheiden, welche Daten zuerst wandern, E-Mail und Ablage umziehen, ohne den Betrieb zu unterbrechen, und selbst gehostete Tools so aufsetzen, dass sie im Alltag genauso zuverlässig laufen wie die gewohnten Dienste. Eine Migration will geplant sein, sonst tauscht man ein Risiko gegen ein anderes.
Dabei helfen wir. Wir bauen einen souveränen Stack und, wo es sich lohnt, eigene selbst gehostete Tools auf, zugeschnitten auf Ihre Prozesse, bis hin zu lokaler KI, die Ihr Firmenwissen nicht nach außen gibt.
Souveränität muss kein Großprojekt sein. Sie beginnt mit dem einen Datentopf, dessen Verlust Sie sich am wenigsten leisten können.
Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam, welche Ihrer Datenflüsse ein Risiko tragen - und wo eine souveräne Alternative sich sofort lohnt.